Music Reviews

Rezensionen

e-Trado GmbH

Pukkelpop 2012

Pukkelpop 2012

Wirklich erstaunt hat es sicherlich niemanden, dass das Pukkelpop auch 2012 wieder kommt. Trotz des letztjährigen Sturms, der zu einem verfrühten Abbruch des Festivals führte, rechneten nur wenige damit, dass es keine weitere Auflage des beliebten belgischen Festivals geben würde. Besucher des letzten Jahres erhielten als Entschädigung 150€ Essenmarken, 50€ für jedes der drei folgenden Festivals. Das Line-Up besteht daher auch nicht nur aus aktuellen Bands, sondern auch vielen Künstlern, die letztes Jahr hätten auftreten sollen wie etwa die FOO FIGHTERS, TRASH TALK, LYKKI LI oder DIPLO. Weitere Änderung ist das Campingplatzkonzept. Es gibt dieses Mal nicht nur den Campingplatz direkt gegenüber vom Festivalgelände, sondern auch zwei weitere, die zur Entlastung diesen sollen. Beide sind allerdings gut 25 bis 30 Minuten zu Fuß entfernt. Zur Freude aller Besucher gibt es aber Busse, die etwa alle 10 Minuten vom Campingplatz zum Festivalfahren.

Donnerstag, 16. August

Für mich beginnt das 2012er Pukkelpop mit den Briten von THE COMPUTERS im Shelter. Die Band präsentiert sich komplett in weiß gekleidet und bietet stilistisch einen Mix aus Punk Rock, 60‘s Rock‘n‘Roll und Indie. Es sind schon ein paar Leute vor der Bühne versammelt und lauschen dem Quintett, wirkliche Begeisterung sieht allerdings anders aus. Mehr als rumstehen wird man im Verlauf des Sets auf Seiten des Publikums nicht mehr sehen. Ihr THE CLASH-Cover bleibt das einzige wirkliche Highlight in den fast 40 Minuten Spielzeit, obwohl THE COMPUTERS über einen sympathischen Frontmann verfügen. Viel besser sind die darauffolgenden TOUCHÉ AMORÉ. Die melodische Hardcore-Band erfreute sich im letzten Jahr immer größerer Beliebtheit dank ihres Albums „Parting The Sea Between Brightness And Me“. Das amerikanische Quintett legt sich von den ersten Tönen an sehr ins Zeug und kann das Publikum im Shelter begeistert. Hinderlich ist aber auf jeden Fall die Absperrung vor der hohen Bühne - dafür ist Hardcore nun einmal nicht wirklich gemacht. Trotzdem schafft es die Gruppe über ihr halbstündiges Set, welches auch zwei neue Songs beinhaltet, die Fans glücklich zu stimmen und zum lauten mitsingen zu animieren. Dies gelingt ihnen freilich besonders gut bei den aktuellen Nummern wie etwa Pathfinder oder The Great Repitition. Kontrastprogramm der Extraklasse gibt es 40 Minuten später auf der Hauptbühne. SNOOP DOGG stattet dem belgischen Festival einen Besuch ab. Es scheint, dass der Mittvierziger wirkliche viele Fans auf dem Pukkelpop hat. Vor der Mainstage ist es voller als bei manch anderere Band, die nach ihm auf die Bretter geht. Angereichert mit DJ und Co-MCs betritt SNOOP DOGG nach einem über fünf Minuten langen Intro die Bühne. Wirklich gelungen ist der Auftritt sicherlich nur für richtige Fans. Die meisten Lieder werden stets nur angespielt bzw. rappt SNOOP DOGG seinen Part und der Rest des Liedes wird nicht gespielt, wie etwa der 50 CENT-Hit P.I.M.P. oder California Gurls von KATY PERRY. Klar, nun hat man auch einmal den US-Rapper live gesehen, aber dies war nun wirklich kein Erlebnis welches ich persönlich wiederholen müsste. Beim Großteil des Publikum kam der Mann aber sehr gut an. Im Marquee stehen schon OF MONSTERS AND MEN in den Startlöchern. Ihre Debütsingle Little Monsters war ein regelrechter Indie Pop-Hit und läuft heute noch ständig im Radio oder TV. Wo die Single sicherlich ein guter Song ist, scheint der Großteil des restlichen Materials der Schweden eher ruhig auszufallen. Irgendwo zwischen Folk und Indie Pop wird man den Still der siebenköpfigen Band wohl ansiedeln können. Fans haben OF MONSTERS AND MEN auch genug. Das Zelt der zweitgrößten Bühne des Festivals ist ziemlich gut gefüllt und die Songs werden lauthals mitgesungen. Wirklich gut sind meist nur die schnelleren Tracks der Indie Popper. Größten Beifall bekommt natürlich der Hit Little Monsters. Den darauffolgenden Song bekommen viele schon gar nicht mehr mit, da sie das Zelt verlassen. Im Marquee sind die Briten von THE HORRORS als nächstes an der Reihe. Die Jungs hätten eigentlich auch schon letztes Jahr auftreten sollen, sind aber wieder gekommen um ihr immer noch aktuelles Album „Skying“ zu bewerben. Die Band scheint viele Leute anzuziehen, immerhin ist es ähnlich voll wie bei OF MONSTERS AND MEN - auch ohne große Hitsingle. Der elekrontische Indie-Sound der Briten ist stets düster und eher zurückhaltend als wild. Auf der Bühne selber passiert daher auch nicht gerade viel. Der Sänger steht meist nur an seinem Mikroständer und wackelt mit dem Bein im Rhythmus, seine Ansagen sind eher kurz gehalten und seine Bühnenpräsenz geht gleich null. Dennoch kann man sich das Set der Briten ganz gut angucken, zumal zeitgleich eh nichts bessere zu sehen ist. Da wird man noch wesentlich langweiligeres sehen im Verlauf des Festivals. Wie man Stimmung macht, das wissen die YOUNG GUNS ganz genau. Vor zwei Jahren spielte man noch als erste oder zweite Band des Tages auf der Bühne im Shelter, dieses Jahr spielt man genau in der Mitte des Spielplans selbiger Bühne. Wo damals auch nur an die 200 Menschen standen, die die Briten nicht wirklich kannten, stehen dieses Jahr etwa drei Mal so viele und die vorderen Reihen sind dicht gefüllt mir unter 18 Jährigen, die jedes Wort mitsingen können. Das nette an einem Konzert der YOUNG GUNS ist, dass die Setlist stets wechselt und man nicht immer die gleiche Show zu sehen bekommt. So beginnt man heute mit Dearly Departed. Größte Überraschung ist aber, dass man endlich Meter & Verse spielt, auch Crystal Clear steht wieder auf der Setlist, was die letzten Touren leider nicht der Fall war, zumindest auf dem europäischen Festland wo man meist nur als Supportact zu sehen war. Bei D.O.A. schafft es die Band sogar eine Wall of Death zu initiieren. Nach etwas mehr als 40 Minuten verabschieden sich die sympathischen Engländer um Sänger Gustav Wood aber. Weiter geht es im Marquee direkt mit dem UK-Rapper TINIE TEMPAH. Auch bei ihm ist das Zelt sehr gut gefüllt. Anders als SNOOP DOGG kann der Brite wirklich Stimmung machen und lebt nicht nur von einem Kultstatus. Allerdings ist die Musik von TINIE TEMPAH auch wesentlich Party-tauglicher durch den großen Einsatz von Electro. Songs wie Miami 2 Ibiza, Earthquake oder Written In The Stars kommen sehr gut bei den Fans an, die vor der Bühne wild am tanzen sind. Nun heißt es aber schnell rüber zur Mainstage, denn die wiedervereinigten BLOC PARTY sind gleich an der Reihe. Man beginnt mit dem neuen Song Octopus vom bald erscheinenden vierten Album „Four“. Wie alle vier Lieder vom neuen Opus der Londoner Indie Rocker scheint das Ergebnis etwas abgedrehter zu sein als die bisherigen Alben und schon gar nicht so elektronisch wie das letzte Album „Intimacy“. Aber natürlich sind es die alten und bekannten Ohrwürmer wie Song For Clay, Helicopter, One More Chance, Flux, This Modern Love oder Hunting For Witches die das Publikum verzaubern. Verzaubern tut aber auch der sehr sympathische Kele Okereke, der es versteht die Anwesenden während des warmen Sommerabends mit seinen Ansagen zu unterhalten. Etwas dick ist er zwar geworden, aber singen kann der Londoner immer noch. Nach einer Essenpause im Dort von Kiewit ist dann Headlinerin BJÖRK an der Reihe. Zeitgleich spielen leider zwar auch THE GASLIGHT ANTHEM aber wann wird man schon noch mal die verrückte Isländerin zu sehen bekommen? Was die Bühnenshow angeht, so ist diese typisch Björk. Ein Drumkit, ein Reck mit Keyboards und Laptops und ein zwölf köpfiger Frauenchor, die allesamt in blau-goldene Gewänder gehüllt sind. BJÖRK selber trägt eine Ansammlung von Schläuchen als Abendrobe. Und nun werden die nächsten anderthalb Stunde abgedreht. Leider spielt die alternde Isländerin nicht ihre alten Hits wie Army Of Me, Hyper-Ballad, It‘s Oh So Quiet oder Play Dead, sondern bespielt besonders ihr neues Album „Biophilia“. Großes Highlight des Sets ist allerdings Pagan Poetry. Kleiner Wermutstropfen ist allerdings, dass das gesamte Songmaterial ziemlich elektronisch präsentiert wird, oft mehr als die eigentliche Studioversion. Dafür gibt es aber eine ausgezeichnete Lichtshow sowie Animationen, die über die drei Bildschirme der Mainstage laufen. Nach den beiden Zugaben Possibly Maybe und Declare Independence verabschiedet sich BJÖRK nach 90 Minuten, die nicht gerade all zu schnell verfolgen, aber dennoch ein Erlebnis waren. Und so endet dann auch der erste Festivaltag für mich.

Freitag, 17. August

Das Wetter ist ähnlich gut wie gestern und es wird sogar noch heißer als am Vortag. Aber man will sich nach dem katastrophalen Gewitter des letzten Jahres darüber lieber nicht beschweren.
Nach dem Mittagessen sind als erste Band des Tages die BLOOD RED SHOES an der Reihe. Das Duo aus Schlagzeug/Gesang und Gitarristin/Gesang spielt dieses Jahr zum ersten Mal auf der Hauptbühne. Vor zwei Jahren spielte man noch zu ähnlich früher Zeit in einem der Zeltbühnen. Der Indie Rock der Beiden kommt gut bei den Anwesenden an und ist genau das richtige für diese Uhrzeit und dieses Wetter. Lockere Nummern, die schön nach vorne rocken ohne zu viel anzustrengen oder gar Konzentration beim zuhören erfordern. Highlight des Sets ist I wish I Was Someone Better. Die darauffolgenden MAXIMO PARK hatte ich ehrlich gesagt gar nicht so auf dem Schirm. Als die Band noch häufiger auf MTV lief war ich kein Fan von ihnen und sie standen nur auf meiner Pukkelpop-Liste, weil zu der Uhrzeit nichts besseres zu sehen war. Umso überraschter bin ich, dass die Band gar nicht mal so schlecht ist. Sicherlich ist das nichts was ich mir zu Hause anhören würde, aber die Jungs begeistern ihr Publikum und haben den ein oder anderen guten Song im Gepäck. Neue Nummern werden den Fans auch geboten, denn bald erscheint das neue Album der Indie-Band. Stilistisch unterscheidet sich das neue Material nicht all zu sehr von älteren Sachen, schlecht ist es aber auch nicht, genau wie der gesamte Auftritt. Gespannter bin ich allerdings auf die britischen Indie-Pop/Rocker von TWO DOOR CINEMA CLUB. Die Band wird überall gehypt und konnte richtige Erfolge erzielen. Immerhin spielt das Quartett nun auch auf der Hauptbühne und nicht wie vor zwei Jahren im kleineren Club. Der Sound ist irgendwo zwischen Indie Rock, Pop, Electro und etwas PINK FLOYD anzuordnen. Ebenso wie bei MAXIMO PARK präsentieren die Briten neue Stücke vom Ende August erscheinenden zweiten Album „Beacon“. Die leicht verträumten Songs kommen gut an bei den Fans und man sieht viele Mädels vor der Bühne tanzen. Einziger Kritikpunkt ist vielleicht das Drumming, welches sich fast immer im gleichen Rhythmus durch die Songs pirscht. Dennoch ist der Auftritt von TWO DOOR CINEMA CLUB das bisherige Highlight des zweiten Festivaltages. Im Club spielen nun FRIENDS. Das absolute Lowlight des Festivals. Abgedrehter Indie Pop vorgetragen von der Indie-Version von Lady Gaga. Dazu kommt noch ganz schriller Gesang zu mal poppigeren, mal abgedrehteren Songs. Komisch, aber FRIENDS scheinen gut anzukommen bei den Leuten vor der Bühne. Zur Überbrückung diesen dann EAGLES OF DEATH METAL (wieder auf der Hauptbühne). Der rotzig rockende Sound der Band ist sicherlich eine lässige Angelegenheit um halb 6 Abends, aber mich kann das ganze nur wenig begeistern. Die Musiker legen sich zwar ins Zeug, aber ist dieser erdige Südstaaten Rock nicht ganz mein Ding. Zumindest nicht über die volle Distanz. Aber nach ein paar Minuten geht es eh rüber zum Marquee, weil dort BAND OF SKULLS spielen. Das Trio hat überwiegend gute Kritiken von der Presse bekommen, so dass sich viele Nasen vor der Bühne sammeln. Der Sound der Drei bewegt sich irgendwo zwischen Classic Rock, Stoner Rock und einen kleinen Schuss Indie/Alternative Rock. Damit kommen BAND OF SKULLS scheinbar sehr gut an. Viel passiert aber leider nicht auf der Bühne. Die Musiker haben einen Bewegungsradius, der einem Baum gleicht. Gleiches gilt aber auch für die Meute davor. Mehr als Applaus, mitsingen und kopfnicken ist beim eher ruhigen Klang des Trios nicht wirklich möglich. Wesentlich mehr geht hinter der Bühne im benachbarten Shelter. Die kanadischen CANCER BATS geben sich die Ehre. Erstaunlich viele Leute stehen vor der Bühne um den Soundmix aus Hardcore, Punk Rock und Southern Rock zu frönen. Ansich sind die CANCER BATS ja nicht meine Band, aber das Quartett gibt sich sehr viel Mühe die Leute vor sich zu unterhalten. Dies liegt aber besonders an ihrem Sänger Liam Cormier, der stets in Bewegung ist und über die Bühne tobt. Nur wird mal wieder deutlich, dass das Material der ersten beiden Alben schon besser ist als die beiden aktuellen Alben, die deutlich mehr im Southern Rock wildern. Danach sind LETLIVE. im Shelter an der Reihe. Und wieder einmal beweisen sie, dass sie eine absolut verrückte Liveband sind. Der irrwitzige Post-Hardcore der Jungs aus Los Angeles kommt recht gut bei den zweitausend Köpfen an, aber der Großteil scheint die Truppe nicht zu kennen. Aber ihr Sänger zieht mit seiner absolut wilden Show alle Blicke auf sich - da ist die Musik manchmal Nebensache. Umso erstaunlicher ist auch wie ruhig er die Ansagen macht, nur um einen Augenblick später wieder total auszurasten wenn die Musik losgeht. Allerdings kann ich LETLIVE. nicht komplett zu schauen, denn auf der Mainstage ist das neuste große Indie Pop-Ding LYKKI LI. Letztes Jahr hätte sie noch nicht auf der Hauptbühne gespielt, aber durch den Erfolg des Remixes von I Follow Rivers steht sie dieses Jahr nun relativ weit oben auf dem Billing des Pukkelpop Festivals. Die Dame spielt mit ihrer Backingband einen guten Mix aus ihren beiden veröffentlichten Alben. Das Hauptaugenmerk liegt allerdings klar beim aktuellen „Wounded Rhymes“. Im Verlauf des Sets wird auch deutlich, dass LYKKI LI die Nase vorne hat was schwerfälligen (Indie-)Pop angeht und LANA DEL REY nicht einmal annähernd so viel zu bieten hat. Dance, Youth Knows No Pain, Love Out Of Lust oder I Know Places sind allesamt gute Songs. Aber natürlich warten alle nur auf den großen Hit und Ohrwurm der Sängerin, nämlich I Follow Rivers, welcher im Originalgewand gespielt wird und nicht in der Remixversion, die viele Hitparaden anführt. Danach ist dann aber auch Schluss und die Dame hat sich als würdig erwiesen so spät auf der Hauptbühne zu spielen. Als Aufputschmittel nach der eher ruhigen Darbietung von LYKKI LI gibt es im Shelter zur besten Zeit EVERY TIME I DIE. Die Metalcore-Band erfreut sich endlich größter Beliebtheit und so sind einige vor der Bühne versammelt um sich die Jungs anzusehen. Man legt lässig mit No Son Of Mine los, dem Opener des 2007er Albums „The Big Dirty“. Von den ersten Tönen an geht vor der Bühne einiges im Moshpit. Auch auf den Brettern legt die Truppe um Sänger Keith Buckley richtig los. Nahezu non-stop ist man unterwegs und sprintet von einer Seite zur anderen. Die Setlist des Quintetts ist sehr ausgewogen, so wird erstaunlich viel vom Zweitwerk „Hot Damn!“ gespielt, aber auch genug von den vier darauffolgenden Alben. Alte Songs wie She‘s My Rushmore oder Floater werden live wesentlich brutaler dargeboten als auf Platte, was der Stimmung aber absolut keinen Abbruch tut. Der einzige Kritikpunkt ist vielleicht der Sound, denn dieser kommt bei den schnellen Passagen etwas zu matschig aus den Boxen, so dass man einen Song erst nach ein paar Takten erkennt und nicht sofort. Großes Highlight ist natürlich The New Black, welcher von so ziemlich jedem lautstark mitgesungen wird. EVERY TIME I DIE sind so ziemlich das Highlight des 2012er Pukkelpop Festivals. Auf der Hauptbühne haben schon die Tagesheadliner THE STONE ROSES ihr Set begonnen. Die wiedervereinigten Brit Pop-Helden spielen natürlich ein Best-Of Set ihrer beiden Alben „The Stone Roses“ (1989) und „The Second Coming“ (1994). Das Hauptaugenmerk liegt mit neun von 16 Songs klar auf dem selbstbetitelten Debütalbum der Manchester Rocker. THE STONE ROSES ziehen anscheinend viele Endzwanziger und Frühdreißiger an die ihre Jugend wieder auferstehen lassen wollen. Viel junges Publikum trifft man nicht an im Zuschauerraum. Man kann es ihnen aber auch nicht verübeln, denn eigentlich war die Band schon längst vergessen, da man keinen Ohrwurm wie Wonderwall von OASIS oder Song 2 von BLUR im Programm hat, der heute noch bekannt ist. Viel passiert aber auf der Bühne nicht. Optisch sieht es so aus als ob die Band noch immer im Jahr 1994 leben würde mit den weiten Hosen und dem Fischerhut des Drummers. Bewegung und Interaktion mit den Fans bleiben auch so gut wie aus. Sänger Ian Brown ist wirklich kein begnadeter Frontmann. Mehr als über die Bühne zu laufen und dabei die Arme im Takt zu heben schafft Brown über die volle Distanz des Auftritts nicht. Auch arten manche Songs in einer Art Jamsession aus, was nicht gerade aufregend ist. Als dann nach I Am Resurrected Schluss ist, bin ich aber sicherlich trotzdem einer der wenigen der froh über das Ende ist.
Pukkelpop 2012 Hasselt Belgien


Samstag, 18. August

Heute soll das Wetter noch heißer werden als die letzten beiden Tage. Mit 38°C wird gerechnet. Und von der Hitze merkt man schon direkt einiges als um kurz vor 14 Uhr THE CRIBS die Bretter der Mainstage entern. Die Band wird wohl nie über diese frühe Spielzeit hinaus kommen. Schon vor zwei Jahren spielte man am dritten Festivaltag um eine ähnliche Uhrzeit auf der Hauptbühne. Damals hatte man noch Jonny Marr von THE SMITHS an der zweiten Gitarre, dieses Jahr „nur“ noch mit einen Sessionmusiker, der sich sehr im Hintergrund hält. THE CRIBS aber haben trotzdem Spaß und die Fans vor ihnen auch. Der knackige Indie Rock der Briten ist eine lässige Angelegenheit um diese Uhrzeit und bei diesem Temperaturen. Eine halbe Stunde später sind im Shelter TRASH TALK an der Reihe ihren brutalen Hardcore/Punk/Thrash-Mix auf die Welt loszulassen. Mit fünf Minuten Verspätung betritt das Quartett die Bühne und von Anfang an herrscht Chaos vor selbiger. Wie gewohnt gibt sich die Truppe ziemlich aggressiv und bedrohlich. Sänger Lee Spielman verbringt einen Großteil des Sets im Publikum, weil ähnlich wie bei TOUCHÉ AMORÉ große Bühnen und eine Absperrung nichts für so Musik sind. Tracks wie Worthless Nights, F.R.Y.A., Explode oder Dig kommen alle sehr gut beim Publikum an und man dankt es TRASH TALK mit dicken Sing-alongs und viel Pitaction. Nach etwa dem halben Set geht es für mich aber rüber zur Hauptbühne, denn zeitgleich spielen auch die Pop Punker von ALL TIME LOW. I Feel Like Dancing wird gerade gespielt als ich eintreffe. Wie zu erwarten war herrscht vor der Bühne ein Auflauf von Menschen unter 25 und die meisten davon sind weiblich und können jeden Songtext mitsingen. Die vier Pop Punker, heute außerdem angereichert durch einen Backing-Gitarristen und Backgroundsänger, sind in bester Laune und scheinen viel Spaß an ihrer Show zu haben. Vor zwei Jahren mussten sie noch zu einer ähnlichen Zeit im Marquee spielen. Aber der ganz große Durchbruch blieb der Band trotz Erfolg, Coverstories und weltweiten Touren noch verwehrt - allerdings geht es x anderen Bands nun wirklich schlechter. Mit The Reckless And The Brave gibt es auch schon einen Vorgeschmack auf das im Oktober erscheinende Album. Aber natürlich werden Songs wie Jeasy Rae oder Weightless um einiges mehr abgefeiert vom Teeniepublikum. Doch am meisten freuen sich die Fans auf das abschließende Dear Maria (Count Me in). ALL TIME LOW sind mal wieder einer der Höhepunkte des Festivals und vielleicht hätte ich die Show komplett sehen sollen anstatt die Spielzeit mit TRASH TALK zu splitten. Eine halbe Stunde später stehen im Shelter die Briten (wie so oft dieses Wochenende) von PULLED APART BY HORSES vor einer nicht zu kleinen Menschentraube. Der Post-Hardcore/Indie Rock des Quartetts erinnert etwas an REFUSED und FUTURE OF THE LEFT, hat aber bei den melodischeren, rockigen Momenten etwas von den schottischen Kollegen TWIN ATLANTIC. Die jungen Briten agieren recht wild auf der Bühne und toben sich ordentlich aus und können damit auch die Meute hinter der Absperrung überzeugen und anstecken. Nach einer recht langen Pause sind im Marquee ODD FUTURE WOLF GANG KILL THEM ALL (kurz: Odd Future oder OFWGKTA). Das alternative Hip Hop-Kollektiv scheint sich größter Beliebtheit zu erfreuen. Irgendwo zwischen 90er Rap und moderneren Electro-Tönen muss man den Stil des Kollektivs oder der Band, wie man will, wohl anordnen. Vor der Bühne stehen zumindest mehrere tausend Menschen und feiern die Amerikaner regelrecht ab. Präsentiert werden Songs der beiden Alben wie 50, NY (Ned Flenders), Bitches, P, Yonkers oder Sandwich. Leider gibt es kein Orange Juice oder We Got Bitches, aber tut dies der Stimmung eh keinen Abbruch. Die MCs der Truppe schaffen es dem Publikum ordentlich einzuheizen - und das über die vollen 50 Minuten der Show. Definitiv eines der Highlights des heutigen Festivaltages! Auf der Hauptbühne sind dann THE BLACK KEYS an der Reihe. Wieder so eine Band, die in Kritikerkreisen mittlerweile hochgelobt wird. Ich selber kenne das Duo (plus Sessionmusiker am Bass und Klavier) noch nicht. Aber schon die ersten Töne machen deutlich, dass dies eher in Richtung Stoner Rock meets Indie geht. Mein Ding ist das leider nicht, aber da ich noch etwas Zeit habe bis ENTER SHIKARI ihr Set beginnen, schaue ich mir gerne THE BLACK KEYS an. Den Leuten scheint die Band aber viel Freude zu machen, immerhin wird lauthals mitgesungen und vor der Bühne auch ordentlich getanzt zu den erdigen Riffs. Viel mehr geht aber im Shelter bei den englischen Metalcore/Electro-Helden ENTER SHIKARI. Dass sich diese Band überhaupt noch so hält und sogar noch beliebter wird als früher, ist mir ein Rätsel, da der große „Metalcore trifft auf Electro“-Trend doch schon vorüber ist. Aber Sorry, You‘re Not A Winner war und ist nun mal ein Hit in der Szene und umso mutiger ist es diesen schon an zweiter Stelle im Set zu bringen. Das Quartett hat eine riesige Lichtanlage mitgebracht und dazu noch gute Laune. Man gibt direkt von der ersten Sekunde an Vollgas und kann so auch die gut 4000 Nasen anstecken. Aber besonders sind es die Lieder vom Debüt „Take To The Skies“, die die Leute hören wollen. Leider gibt es neben Sorry, You‘re Not A Winner nur Mothership, dabei hätte Today Won‘t Go Down In History auch nicht geschadet. Aber heute hat man halt nur 50 Minuten Spielzeit und muss alles irgendwie unterbringen. Gefeiert wird auch noch Juggernauts, welches einen der feinsten Übergänge zwischen Elektronik und Rockmusik besitzt. Nur wird dieser Song ab der zweiten Strophe als Dubstep-Remix dargeboten und es ist irgendwie ein komisches Bild wenn der Gitarrist einer Rockband Zeit hat die Gitarre abzunehmen und sich hinzusetzen... Dennoch können ENTER SHIKARI die volle Distanz über unterhalten. Als Abschluss des Pukkelpop 2012 kommen die FOO FIGHTERS, die auch schon letztes Jahr spielen sollten. White Limo eröffnet das 21 Song lange Set der Band um ex-Nirvana Drummer Dave Grohl. Grohl ist mittlerweile ein guter Frontmann geworden und rennt mit seiner Gitarre quer über die große Bühne der Mainstage. Es folgen Hits wie All My Life, Rope, The Pretender und My Hero. Bei Dear Rosemary und Learn To Fly spielt Bob Mould (bekannt durch HÜSKER DÜ und SUGAR) mit an der Gitarre. Die FOO FIGHTERS präsentieren sich als routinierte Band, die es mühelos schafft etwa 40.000 Fans zu begeistern. Obwohl manches Zwischenspiel für den Spannungsaufbau vor dem letzten Refrain eines Songs vielleicht zu lang ist. So wird etwa The Pretender fast auf das doppelte gestreckt. Mit In The Flesh? wird auch noch einmal PINK FLOYD in Form eines Covers Tribut gezollt. Die FOO FIGHTERS liefern einfach ein Best-Of-Set mit all ihren Hits und ein paar neuen Nummern aus ihrem letztjährigen Werk „Wasting Light“. Egal ob All My Life, These Days, Monkey Wrench oder das abschließende Best Of You, alles was man hören will, wird auch gespielt. Nach dem ergreifenden Best Of You verabschiedet sich die Band das erste Mal. Über die Bildschirme an den Seiten der Bühne sieht man durch eine Nachkamera wie sich die Band unterhält und mit dem Publikum witzelt, dass sie keine Lust mehr haben auf die Bühne zu kommen, aber man lässt sich wohl oder übel für maximal zwei Songs noch mal blicken. Die Zugabe beginnt mit dem „One By One“-Hit Times Like These, welches Grohl erst einmal alleine beginnt bevor später die gesamte Band einsteigt. Danach folgen noch Breakout und Young Man Blues, ein MOSE ALLISON-Cover (welches recht unnötig ist). Dann erst wird der Abschiedssong Everlong gespielt bei dem Band sowie Fans noch einmal alles geben bevor nach 135 Minuten Schluss ist mit den FOO FIGHTERS und diese sich verabschieden bevor das Abschlussfeuerwerk des Festivals die Nacht erhellt.

Nach der letztjährigen Katastrophe war das diesjährige Pukkelpop ein voller Erfolg und das Wetter hat auch von Anfang bis Ende mitgespielt. Zwar war die neue Campingplatzsituation nicht für jeden wirklich genial, aber vielleicht wird das Konzept noch einmal überarbeitet nächstes Jahr. Einen weiteren Besuch ist das Festival nämlich auf jeden Fall wert!

Text © by Sebastian Berning